Kennst du das? Du sitzt auf der Couch, To-do-Liste ungelöst, Wäsche ungewaschen, Nachrichten unbeantwortet — und statt produktiv zu sein, starrst du lieber die Netflix-Startseite an, ohne was auszuwählen. Die innere Stimme ruft: „Reiß dich zusammen!“ — und du fühlst dich… faul.
Aber ich sag dir was: Du bist nicht faul. Du bist müde. Und zwar nicht die „Ich hatte gestern zu wenig Schlaf“-müde, sondern die „Ich trage 1000 unsichtbare Aufgaben in meinem Kopf herum und keiner sieht’s“-müde. Willkommen beim Thema Mental Load.
Was ist eigentlich Mental Load?
Mental Load ist dieser unsichtbare Rucksack, den vor allem Frauen mit sich rumschleppen. Er ist gefüllt mit:
- Geburtstagsgeschenken, an die du denken musst
- Zahnarztterminen, die organisiert werden wollen
- „Wir brauchen noch Klopapier“-Gedanken um 23:47 Uhr
- und der ständigen Frage: „Was essen wir heute eigentlich?“
Es geht nicht darum, was du alles tust, sondern woran du alles denkst. Und genau das macht müde.
Warum wir das oft gar nicht merken
Weil es normalisiert wurde.
Weil wir gelernt haben, dass „gut organisiert sein“ eine Tugend ist.
Weil niemand applaudiert, wenn du das Geschenk für Tante Gerdas Geburtstag 3 Wochen vorher besorgt hast — aber alle die Augen verdrehen, wenn du’s vergisst.
Viele von uns rutschen da rein, ohne es zu merken. Plötzlich bist du die Projektmanagerin deines ganzen Lebens. Und wenn du dann abends keine Kraft mehr hast, das Wohnzimmer aufzuräumen oder eine produktive Abendroutine zu starten, heißt es: „Ach, du bist halt faul.“
Bullshit.
5 Zeichen, dass du an Mental Load leidest
- Dein Kopf ist nie still. Selbst beim Einschlafen denkst du daran, ob du genug Gemüse gegessen hast.
- Dein Kalender sieht aus wie das Cockpit eines Düsenjets. Jede Stunde ist belegt.
- Du hast Schuldgefühle, wenn du mal nichts machst.
- Kleinigkeiten bringen dich an deine Grenze. Der leere Klopapierrollenhalter ist plötzlich ein Weltuntergang.
- Du bist körperlich fit, aber trotzdem dauermüde.
Kommt dir bekannt vor? Dann lies unbedingt weiter.
Warum du dich nicht schämen musst
Das hat nichts mit „schlechter Organisation“ oder „schwacher Nerven“ zu tun.
Das ist ein gesellschaftliches Thema. Vor allem Frauen übernehmen Mental Load oft ganz automatisch — in Beziehungen, in Familien, im Job. Und das macht auf Dauer einfach kaputt.
Was hilft? Sichtbar machen, anerkennen und Verantwortung abgeben.
5 kleine Wege, den Mental Load zu senken
- Schreib alles auf. Nicht in deinem Kopf behalten, sondern auf Papier oder ins Handy packen. Es ist okay, wenn deine Notizliste aussieht wie ein Mosaik aus Einkaufslisten, Ideen und Termin-Reminder.
- Sag Sätze wie: „Daran möchte ich heute nicht denken.“ Und tu’s auch nicht. Setz Prioritäten. Nicht alles ist heute gleich wichtig.
- Teile Aufgaben und sag klar, was du brauchst. „Kannst du bitte morgen die Wäsche machen und auch direkt abhängen?“ ist was anderes als „Hilfst du mir ein bisschen?“
- Plane Puffer ein. Nicht jede Minute muss verplant sein. Leerlauf ist kein Zeichen von Faulheit, sondern von gesundem Zeitmanagement.
- Erlaub dir, einfach mal müde zu sein. Netflix-Startseite anstarren? Völlig okay. Du musst dich nicht für Erschöpfung entschuldigen.
Fazit: Müde ≠ faul
Du bist nicht undiszipliniert. Du bist nicht planlos. Du bist nicht faul.
Du bist mental ausgelaugt. Und das ist nachvollziehbar, menschlich und reparierbar.
Also: Hör auf, dich dafür zu schämen. Erkenn an, was du leistest — auch wenn’s keiner sieht. Und gönn dir Pausen, echte Auszeiten und ein bisschen mehr Leichtigkeit im Alltag.
Denn du bist keine Maschine. Du bist ein Mensch. Und der darf auch mal nichts leisten.

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